Krankhafter Digitalzwang

Man kann sich nur wundern mit welcher Naivität die Gesellschaft in Deutschland auf den bargeldlosen Zahlungsverkehr setzt. Behörden, der Handel, der Personen-Nah/Fernverkehr, zum Teil auch der Einzelhandel und Gemeinden, alle setzen auf das „Goldene Kalb“ der Digitalisierung des Alltags. Zahlen per Handy oder Karte ist einfach – wenn man Zugang zu Karte oder Handy hat! Die Gebühren der Zahlungsdienstleister werden natürlich letztlich auf den Kunden abgewälzt. Das sollte man nicht vergessen.

Wenn der Strom ausfällt, wie jetzt gerade in Berlin Südwest, und wer dann kein Bargeld zur Verfügung hat, ist aufgeschmissen. Das ganz System ist darauf angewiesen, dass der Strom fließt. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass das in Zukunft vermehrt eben nicht der Fall ist. Beim Bäcker keine Brötchen, beim Discounter keine Tütensuppen und Parkplätze sind nicht bezahlbar, weil die Parksäulen nur noch Karte oder Handy fordern. Auch Termine beim Arzt nur noch per Handy? Bescheide von Behörden nur noch online? Das ist Wahnsinn, zumal die gesamte digitale Struktur, die der Sache zugrunde liegt, oft auf Servern in Amerika – bei den Tech-Giganten – läuft.

Ganze Gesellschaftsgruppen, die nicht eben digitalaffin sind, werden aussen vor gelassen. Was soll Muttchen mit der kleinen Rente denn machen? Gleich zur Tafel, weil nur dort noch Bargeld zählt?

Und nochwas: wenn der Besitz und die Verantwortung für die Datensicherheit eines Mobiltelefons Voraussetzung zur Teilnahme am Geldverkehr sind, dann möchte ich mindestens alle zwei Jahre das neue deutsche Standardhandy kostenlos und steuerfrei vom Staat ins Haus geliefert bekommen. Die laufende Aktualisierung dieses Staatshandys, um dessen Sicherheit zu gewährleisten, kann ja dann mit dem offiziellen Mindestlohn vergütet werden!