Sind wir Dukatenscheisser?

Da muss man sich doch mal Luft machen und in diese Klientelwirtschaft hineinschlagen. Aber anscheinende haben unsere Regierenden diesen Mut nicht. Oder aber sie denken zu aller erst an ihre eigene Geldbörse (oder ihren Dienstwagen!).

Die gesetzlichen Krankenkassen stecken in einem Milliardendefizit. Da muss ich gleich voraus schicken: Die Beitragszahler haben dieses Milliardenloch nicht verschuldet. Aber natürlich denken alle, die sich darum kümmern sollten, an die einfachste und bequemste Lösung: Erhöhung der Kranken- und Pflegekassenbeiträge für die gesetzlich Versicherten.

Dabei gibt es gute Gründe für die Versicherten diesmal auf die Straße zu gehen:

  1. Alle versicherungsfremden Leistungen, wie die kostenlose Ehegattenmitversicherung und die Gesundheitsleistungen für die Bezieher von Grundsicherungs- und Asylleistungen, dürfen nicht den gesetzlich Versicherten aufgebrummt werden.
  2. Die Verwaltungen diverser Versicherungsanstalten müssen zusammengelegt werden, um die teuren Wasserköpfe in den höheren Verwaltungen abzubauen. Nicht dazu gehört die Beratung und Hilfe am Schalter (Backoffice).
  3. Die Beitragsbemessungsgrenze (tolles Wort!) gehört ganz abgeschafft. Warum sollte ein Kleinverdiener prozentual von seinem Einkommen ein Vielfaches für Leistungen der Kassen bezahlen, für die ein Großverdiener lediglich einen Bruchteil seines Einkommens (ein Trinkgeld!) bezahlen muss.
  4. Kompetenzzentren für komplizierte Krankenhausleistungen zu schaffen, ist richtig. Aber die Krankenhausversorgung für „normale“ Operationen muss insbesondere auf dem platten Land erhalten bleiben. Kreiskrankenhäuser müssen erreichbar bleiben, genau wie die Rettungsdienste.
  5. Der Pharmaindustrie sollte eine zentrale Einkaufsgemeinschaft gegenüberstehen, möglichst EU-weit. Das vergrößert die „Nachfragemacht“ und vermeidet die unterschiedlichsten Preise in den europäischen Ländern.
  6. An der ungleichen Behandlung von gesetzlich Versicherten und Beamten sollte man arbeiten. Wenn Beamte schlagartig in die gesetzliche Krankenversicherung einzahlen müssten, sollte man an die Folgekosten denken. Aber natürlich ist eine Verbreiterung der Einzahlerbasis natürlich sehr wünschenswert und auch erforderlich, z.B. Selbstständige, Kunstschaffende usw.

Eine Regierung, die auch in 6 oder 10 Jahren wiedergewählt werden möchte, sollte sich Gedanken machen und den Mut zu grundlegenden Änderungen aufbringen. Wenn Lasten auf breite Schultern verteilt werden und die Richtigen zur Kasse gebeten werden, dann werden auch die Beitragszahler ihren Teil dazu beitragen.