Gedanken zur Bergstraße

So schön es auch ist solch einen Touristenmagneten wie die Bergstraße in Worpswede zu haben, so merkwürdig ist es auch. Früher war die Bergstraße eine ganz normale Durchgangs- bzw. Anwohnerstraße und gehörte zum Dreieck Hembergstraße, Findorffstraße und Bergstraße. Dort gab es einige Einzelhandelsgeschäfte, Cafés, Kunstläden und Gallerien, Anwohner und ein Altersheim sowie Zufahren zu Sparkasse und Volksbank. Heute ist die Bergstraße zugestellt mit massiven Gegenständen, die manche Leute für Kunst halten. Dazwischen laufen Menschen, die man leicht als Touristen erkennen kann, hin und her und kreuz und quer, ohne nach links und rechts zuschauen. Und das vermehrt an Wochenende bzw. Markttagen. Dann gibt es noch die andere, recht zahlreiche Spezies, das sind die Radfahrer, oft ältere Herrschaften mit Helm und E-Bike, die mal hier hin steuern und mal dort hin und das oft recht zügig. Anscheinend gelten für diese Verkehrsteilnehmer die runden Schilder mit der großen 10 nicht, da sie locker mal 15 kmh oder auch mal 30 kmh erreichen.

Autofahrer, ganz nebenbei auch der Lieferverkehr, werden allerdings von einem elektronischen Leuchtschild böse angeschaut, wenn sie auch nur 2 kmh schneller sind als die erlaubten 10 kmh. Da heisst es dann: „Sie sind zu schnell!“, was wiederum dem Landkreis viel Geld einbringen kann. Ohnehin ist es eine beliebte Einnahmemethode des Landkreises möglich viele Geschwindigkeitsbegrenzungen kurz hintereinander aufzustellen. Angeblich alles für die Verkehrssicherheit.

Als Verkehrteilnehmer bin ich sowohl als Fußgänger unterwegs, als auch als Radfahrer (ohne E-Bike und Helm) und auch als Autofahrer. Als Autofahrer bekomme ich es jedoch fast nicht hin mich an die 10 kmh zu halten, beim besten Willen nicht. Allein schon eine Fahrt nur im Standgas ist schon 2 oder 3 kmh schneller und dann geht es auch noch „bergauf“, wo der Wagen stehen bleibt oder sogar aus geht. „Bergab“ nimmt der Wagen dann Fahrt auf und erreicht locker auf der halben Strecke schon 20 kmh. Das heißt, man fährt nur noch mit schleifender Bremse, um nicht von diesem dämlichen Smiley „angegrinst“ zu werden. Abgesehen davon muss man ohnehin schnell bremsen, wenn mal wieder zu Fuß gehende Verkehrsteilnehmer passieren und ältere Ehepaare meinen in der Mitte der Straße sei es am sichersten.

Ich plädiere dafür auf der Bergstraße maximal und generell 20 kmh zu erlauben. Damit ist der Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer, auch der Autofahrer, genüge getan. Tempo 10 kmh ist unrealistisch und geht an der Realität vorbei. Im übrigen gelten die derzeitigen und evtl. kommenden Geschwindigkeitsbegrenzungen auch für Radfahrer und elektrisch angetriebene Zweiräder. Oder sollten diese von Blitzern nicht erfasst werden können, weil kein Kennzeichen? Das gilt auch für die Worpsweder Straßen mit den aufgemalten „Fahrradspur“-Schildern. Warum nicht Hembergstraße, Findorffstraße und Bergstraße als Kreisverkehr, dann bleibe eine echte Fahrspur für Radfahrer reserviert. Es müssten allerdings Müll- und Postautos sowie andere „Geschosse“ überholt werden können, sonst macht der Kreisverkehr keinen Sinn.